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Montag, 22 Mai 2017 09:06

Ein Tag im Park - obdachlos!

geschrieben von

Ein wunderbarer Tag im Park - aber .....

Wie fühlt es sich an, wenn man im Park wohnen muss? Eine Erfahrung der anderen Art.

Ein Tag im Park an einem wunderschönen Frühlingstag. Konkret im Felmayer-Garten in Schwechat. Was gibt es Schöneres? Ganz einfach: Ein Zuhause, wo man hingehen kann, wenn es im Park kalt und ungemütlich wird. Diese Erfahrung machten schon insgesamt drei Klassen unseres Hauses. Die vorjährige 5A (im Juni 2016), die 4F (am 7. 4. 2017) und die 6C (am 19. 5. 2017). Leben im öffentlichen Raum - eine wertneutrale Beschreibung von Obdachlosigkeit. Und eine Möglichkeit, mit dem anderen Ende unserer Gesellschaft Kontakt zu haben. Die Firma Shades Tours, gegründet und mit großem Engagement geführt von Perinne Schober, vermittelt einen Einblick in diese Art von Leben. Was sind das für Menschen, die so leben? Wie leben sie überhaupt? Wie ist es dazu gekommen? Welche Chancen haben sie, da wieder herauszukommen? Und wie sollen wir ihnen begegnen? 

Wer könnte alle diese Fragen besser beantworten als Betroffene? Dieter und Robert. Zwei Männer, die wissen, wovon sie reden. Sie haben auf der Straße gelebt. Ein paar Monate der eine. Sogar ein paar Jahre der andere. Wie sie hineingerutscht sind. Wie schnell das gegangen ist. Und wie sie wieder herausgekommen sind. Die Schüler hören zu. Zunächst etwas verunsichert. "Sind das wirklich solche? Die habe ich mir eigentlich anders vorgestellt?" Dann mit zunehmendem Interesse. "Die sind ja eigentlich wie alle anderen!" Dann beginnen die Fragen zu sprudeln. Jetzt sind wir an dem angelangt, was man Lebenserfahrung nennt. Schule, die nicht nur Fakten vermittelt, sondern auch erklärt, warum man das alles tut. Dieter erzählt aus seinem Leben. Davor - während - und danach.

Nach dieser gemeinsamen Einstimmung erleben wir für 90 Minuten den Park aus der Sicht eines Obdachlosen. Spannend und ganz anders als sonst. Wo bekommen wir was zu essen her? Wo werden wir schlafen? Wo gibt es medizinische Betreuung? Wie gehen wir mit den Reaktionen der normalen Bevölkerung um? Welche Herausforderung bedeutet das für die Politik? Wie können wir von hier wegkommen? Und was machen wir, wenn wir aufs Klo müssen?????

Der Teufelskreislauf aus Kein Job - Keine Wohnung - Kein Konto wird uns klar. Wir verstehen etwas mehr von dem System, in dem wir leben. Abstrakte Begriffe wie Meldezettel und Sozialversicherung werden auf einmal plastisch. Und so manches, das wir im Unterricht schon gehört haben, ergibt auf einmal einen Sinn. Zumindest wissen wir, warum es ganz angenehm ist, wenn man eine fixe Wohnung hat - und dass es sich lohnt, sich dafür anzustrengen.

Am 7. 4., dem Projekttag der 4F, ist es bitterkalt und regnerisch. Das verstärkt unsere Erfahrung natürlich noch, denn Obdachlosigkeit findet nicht nur bei Schönwetter statt. Wir sind jedenfalls alle sehr froh, als wir wieder in die wohlige Wärme unserer Schule dürfen. So gerne sind die meisten schon lange nicht durch den Haupteingang geeilt. Wetten!!! Robert und Dieter übernehmen jeweils die Hälfte der Schüler. Eine sehr intensive Nachbereitung gibt noch einmal die Gelegenheit zu Fragen und Gedankenausstausch. Wir erfahren noch viele interessante Details, die uns sehr beeindrucken und uns auch zeigen, welche Höchstleistungen Leute vollbringen müssen, um auf der Straße überleben zu können.

Der 19. 5., der Tag an dem die 6C ihr Projekt durchführt, ist ein strahlender Frühlingstag. Während wir die gestellten Aufgaben absolvieren, strahlt die Frühlingssonne auf uns. Trotzdem erleben wir, dass sich Vogelgezwitscher anders anhört, wenn man es aus dieser Perspektive hört. Zur Nachbereitung lassen wir uns im angenehmen Schatten eines Baumes nieder. Robert erzählt seine Geschichte in sehr vielen Details - eine sehr berührende Geschichte, die ihn sehr lange auf der Straße gehalten hat. Während er erzählt, wird es immer ruhiger.

Wir erfahren dabei auch, dass Obdachlose meist nur innerhalb ihres ersten Jahres auf der Straße wieder in die Gesellschaft zurückgeholt werden können. Ist jemand länger auf der Straße - erkennt man also bereits auf den ersten Blick, dass es sich um einen Obdachlosen handelt - ist es fast immer zu spät. Diese Menschen haben alles, vor allem sich selbst, aufgegeben. Dann ist nur noch Linderung möglich, aber keine echte Veränderung mehr. Deshalb ist rasche Hilfe für diese Personengruppe besonders wichtig. Unsere beiden Guides sind die besten Beispiele dafür.

Wir verstehen nun auch das Problem Obdachlosigkeit besser, weil wir die konkreten Geschichten von Robert und Dieter kennengelernt haben. Die Zeit wird viel zu kurz. Als wir uns nach beinahe vier Stunden trennen, sind wir um ein gewaltiges Stück Lebenserfahrung reicher und haben das Gefühl, zwei neue Freunde gefunden zu haben. Vielen Dank an Dieter und Robert - und die allerbesten Wünsche für eure Zukunft!

PS: Zwischen Shades Tours und BG Schwechat ist durch die zahlreichen Projekte mittlerweile eine echte Partnerschaft entstanden. Wir unterstützen Shades Tours auch bei konkreten Aktionen. Eine davon war die Socken-Sammel-Aktion im vergangenen Winter, wo wir über 600 Paare Socken beitragen konnten. Im nächsten Winter werden wir uns wieder auf diese Weise nützlich machen. Nähere Infos folgen rechtzeitig! Wir hoffen auf rege Unterstützung! (In der Zwischenzeit bitte ausrangierte Socken - für Erwachsene - nicht wegwerfen, sondern aufheben und an uns weiterleiten! Vielen Dank im Voraus!)

 

 

Gelesen 1592 mal Letzte Änderung am Freitag, 14 Juli 2017 06:15

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